Das Leben der Wolgatreidler - Bildinterpretation, Hintergründe

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Das Leben der Wolgatreidler - Bildinterpretation, Hintergründe

Beitrag von Moschusochse am Di Okt 17, 2017 7:09 pm

Eine Schülerfrage in einer anderen Plattform finde ich ganz Interessant: Man soll einen Artikel über die Situation der Wolgtreidler schreiben - also Vorlage soll offenbar das Bild von Ilja Repin - Ein Bild, das die dumpfe Existenz dieser Art vorindustrieller Galeerensklaven beschreibt?

Eim Zeitungsartikel soll es sein, da frage ich mich allerdings ob es zeitgenössisch sein sollte, denn dann frage ich mich, ob es überhaupt damals in Zeitungen üblich oder erlaubt war, sowas zu beschreiben - herrschte ja noch tiefer Absolutismus, damals in Russland, oder?

Interessant, dass Repin ursprünglich ein Bild malen wollte, wo es wohlhabende Spaziergänger und diese ausgebeuteten Gestalten geben soll - und davon absah.

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Wolgatreidler

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/ae/Ilia_Efimovich_Repin_%281844-1930%29_-_Volga_Boatmen_%281870-1873%29.jpg

https://de.wikipedia.org/wiki/Treideln
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Re: Das Leben der Wolgatreidler - Bildinterpretation, Hintergründe

Beitrag von Skeptik am Mi Okt 18, 2017 9:55 am

Das wäre eine Möglichkeit, die harte Wirklichkeit des Treidels in einem Zeitungsartikel zu schildern. Verlegt in das 21. Jahrhundert:

http://www.liberation.fr/grand-angle/2007/07/09/les-bateleurs-de-la-volga_97870

Treideln an der Wolga für Touristen.

Zum dritten Mal in Folge bietet ein Tourismusbüro in Ouglitch, einer Kleinstadt an der Wolga, 225 Kilometer nordöstlich von Moskau, diese sehr beliebte Attraktion. "In diesem Jahr haben wir kaum Zeit, unseren Lastkahn zu warten und instand zu halten, da es so viele Gruppen gibt, die sich für den Bourlaki anmelden", amüsiert sich Elena Kapoustina, Direktorin der Putnik-Agentur. Diese ehemalige Verkäuferin ist heute Leiterin einer Agentur, die sich an der Spitze des Tourismus abseits ausgetretener Pfade bewegt. Elena ist auch ein gutes Beispiel für Fortschritte in Russland. Im Winter stattet sie Touristen mit warmen Strickwaren, Helmen und Schwertern aus, um die Befreiung Russlands vom polnischen Joch im Schnee des 17. Jahrhunderts nachzustellen. Unsere Kunden sind vor allem Moskauer, die ein Leben ohne materielle Sorgen erreicht haben und sich gerne in die Haut eines Bourlaki schleichen. Normalerweise sind es Firmen, die diese Tour buchen.“

Diese Treidler des 21. Jahrhunderts kommen aus dem Handel, Tankstellenleiter, Journalisten und Beamte. Auch Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow wollte sich vor die Barke spannen mit einer Delegation von hochrangigen regionalen Beamten.
"Glaubst du, wir geben dir schöne Sandalen? Aber nein, das wird dir hier nicht zur Verfügung gestellt. Du wirst barfuß laufen!“ - Sobald sie aus dem Bus steigen, werden die Touristen von Andrej Makarytch begrüßt, mit verwegenem falschem Bart und vorgetäuschter Grobheit eines Kaufmanns aus dem 19. Jahrhundert….

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Re: Das Leben der Wolgatreidler - Bildinterpretation, Hintergründe

Beitrag von Ceres am Mi Okt 18, 2017 1:46 pm

Die Wolgatreidler ist so gut wie nix bekannt, nur das sie ein recht beschwerliches, aber auch jenseits der Großstädte ein freies Leben geführt haben. Diese Schiffszieher (russisch: Burlakis) hatten Schiffe zu ziehen an der Wolga. Burlakis waren auch tätig im Handel tätig zwischen Moskau und dem kaspischen Meer. Sie waren schon im 19. Jahrhundert einem wachsenden Teil der Gesellschaft bekannt. Es war ein einfaches russisches Volk und es von ihnen viele Lieder, die unter dem Volk beliebt waren. Der ukrainisch-russische Maler Ilja E. Repin (1844-1930) malte zu Beginn der 1870er Jahre das Bild Die Wolgatreidler, das ihn fast über Nacht berühmt machte.
Er hatte mit diesem hervorragenden, höchst beeindruckenden Gemälde (ich hab es in St. Petersburg gesehen)  den Wolgatreidlern ein Denkmal gesetzt.
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Re: Das Leben der Wolgatreidler - Bildinterpretation, Hintergründe

Beitrag von Gontscharow am Do Okt 19, 2017 2:16 pm

Repins Bild ist wirklich sehr beeindruckend. Die Treidler sind Elendsgestalten, vergleichbar mit den verwahrlosesten und heruntergekommensten unserer Obdachlosen heute. Dieses Bild ist eine fast schon schreiende Anklage der Ungerechtigkeit des
zaristischen Systems.
Treidler gab es übrigens überall, auch hier in Deutschland. Ob sie auch so elend aussahen wie in Rußland ?
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Re: Das Leben der Wolgatreidler - Bildinterpretation, Hintergründe

Beitrag von Nemeth am Do Okt 19, 2017 5:03 pm

Das Treideln von Lastkähnen war auch an der Elbe in Deutschland bekannt. Noch heute sind an verschiedenen Abschnitten

in Sachsen, wohl auch woanders, Treidelpfade vorhanden. Auf diesen wurde mittels Pferdekraft aber auch Menschenkraft die

Kähne stromauf gezogen. Die Treidler wurden Böhmätscher genannt, wohl ein Hinweis auf ihre Herkunft. Wann die Elbtreidelei

beendet war, ist mir nicht bekannt.
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