EL CID - Rodrigo

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EL CID - Rodrigo

Beitrag von Falk v. K. am Fr Dez 29, 2017 9:37 pm

Z. Zt. läuft wieder der Kinofilm "El Cid", der das Leben des spanischen Nationalhelden verklärt.

Ich möchte versuchen, die geschichtlichen Tatsachen darzustellen:

Rodrigo oder
auch Ruy Díaz
stammt laut Überlieferung aus einer Familie kastilischer Richter, sein Vorfahr Laín (Flainus) Calvo aus dem frühen neunten Jahrhundert ist der erste dieser Ahnenreihe. Dessen Echtheit ist allerdings umstritten. Eine sichere Überlieferung setzt mit dem Großvater ein, Laín Núñez, der als Zeuge in Dokumenten Ferdinands I. auftritt. Diego Laínez, Sohn von Laín Núñez und Vater des Cid machte sich in Auseinandersetzungen mit Navarra gegen König García, einem Bruder seines "Dienstherren" Fernando einen Namen. Dessen Sohn Rodrigo - el Cid - soll in Vivar, wenig km nördlich der kastilischen Metropole Burgos geboren worden sein. Das Geburtsjahr ist unbekannt, doch erstmalig hört man vom jungen Ruy 1063, als er als Höfling mit Sancho, dem ältesten der drei Söhne Ferdinands,in die Schlacht von Graus (Gradus) reitet. Ramiro I. von Aragón eroberte diese von den Banū Hūd, den Herrschern der taifa von Zaragoza, regierte Stadt. Ferdinand schickte nun seinen Ältesten gegen seinen eigenen Bruder, um die Stadt Graus für das mit ihm verbündete Zaragoza zurückzuerobern. Ramiro starb in dieser Schlacht, angeblich von einem als Aragonesen verkleideten Muslim getötet. Laut der Historia Roderici tötete Sancho seinen Onkel.

1064 eroberte König Ferdinand Coimbra (heute Portugal) und teilte dort sein Reich unter seinen Söhnen auf: Der Älteste, Sancho, erhielt Kastilien und wurde damit zum Lehnsherren von Ruy Díaz, der wohl auch Anführer seiner Truppen und seiner Leibwache wurde (er ist in dieser Zeit als alferez (aus arab. al-Fārīs) und armiger regis, also als 'Fahnen- und Waffenträger des Königs' belegt). Alfonso, der Liebling Ferdinands, erhielt León und der Jüngste, García, erhielt Galizien; die Tochter Urraca erhielt das Umland von Zamora zum Lehen. 1065 starb Fernando und seine drei Söhne traten ihre Herrschaften an. Als 1067 auch die Mutter der drei starb, begannen sie, sich untereinander zu bekämpfen. Sancho war der erfolgreichste der drei und García und Alfonso mussten in Exil. García kam zu den 'Abbādiden nach Sevilla, Alfonso zu den Banū Dū-n-Nūn nach Toledo. Neun Monate nach seinem Sieg über Alfonso – 1073 - wurde Sancho bei der Belagerung Zamoras ermordet. Alfonso VI. wurde nun König über die drei Reiche, sein Bruder García verbrachte den Rest seines Lebens in Ketten.

Ruy Díaz, als Vertrauter Sanchos und Sprecher des kastilischen Adels soll Alfons den Eid von Santa Gadea (einer Kirche in Burgos) abgenötigt haben, dass dieser nicht in die Ermordung seines Bruders verstrickt gewesen sei. Ramón Menéndez Pidal hat diesen Eid als historisch angesehen, die Überlieferung dazu stammt aber aus dem 13. Jahrhundert und er ist alles andere als gesichert. Im Gegenteil muss seine Historizität eher angezweifelt werden: In zeitgenössischen Quellen geht der Übergang der Herrschaft von Sancho auf seinen Bruder Alfonso zwar nicht bruchlos vonstatten – Rodrigo verliert das Amt des armiger regis – aber noch lässt sich kein Bruch zwischen dem König und seinem Lehnsmann feststellen. Rodrigo wird mit wichtigen Aufgaben betraut, so ist er in mindestens zwei Gerichtsverhandlungen als Richter tätig, mit Pedro Ansúrez und Sisnando Davídiz. Graf Pedro Ansúrez war der Lehrer und Erzieher Alfonsos und ist die urkundlich am meisten belegte Gestalt am leonesischen Hof, er war wahrscheinlich mit Alfonso in der toledanischen Verbannung; Sisnando Davídiz war der Mann für heikle Missionen ins islamische Spanien, nach 1064 Gouverneur von Coimbra unter Ferdinand und – 1085/86 Gouverneur von Toledo unter Alfonso. Auch verheiratete Alfons Rodrigo über Stand: Jimena, Rodrigos Frau, war die Tochter eines asturischen Grafen, ihre Brüder übernahmen dieses Amt sukzessive.

In den Jahren 1079 und 1081 zeigte sich Rodrigo Díaz ziemlich eigensinnig und machte sich so bei Hofe unbeliebt. Zum einen demütigte er seinen Trauzeugen García Ordóñez, einen der engsten Vertrauten des Königs (er ist am zweithäufigsten als Zeuge in den alfonsinischen Königsdokumenten belegt), zum anderen unternahm er einen Raubzug in die Ländereien des von Alfonso protegierten muslimischen Königreiches Toledo. Dies führte zu seiner ersten Verbannung, mit der das Poema de Mio Cid beginnt: Übersetzung: (Aus seinen Augen so stark weinend, wandte er den Kopf und musterte sie.) In den folgenden Jahren verbrachte er die meiste Zeit im Königreich von Zaragoza im Dienst der Banū Hūd, bzw. eines Teils der Familie. Er kämpfte in ihrem Dienst, insbesondere gegen einen anderen Teil der Banū Hūd, die in Lérida residierten, das Königreich Aragón und den katalonischen Grafen Berenguer Ramón II., den Brudermörder. Das Carmen Campi Doctoris, im katalanischen Kloster Ripoll entstanden ist Beleg für die katalanische Opposition gegen den Brudermörder.

Nach der Niederlage von az-Zallāqa bzw. Sagrajas 1086, die König Alfonsos gegen die berberische Glaubensbewegung der Almoraviden aus der Sahara, die dem Hilferuf der muslimischen Kleinkönige gefolgt waren, erlitt, versöhnten sich Rodrigo Díaz und Alfons wieder. Rodrigo bekam einige Burgen zugesprochen und forderte in Alfonsos Auftrag den Tribut des Königs in Valencia ein.

Die Almoraviden kamen 1088 ein zweites Mal auf die iberische Halbinsel um die kastilische Festung Aledo, welche mitten in al-Andalus lag, auszuheben. Alfonso gab Rodrigo den Befehl, sein Heer mit dem königlichen Heer zusammenzuführen. Doch aus irgendeinem Grund fand das Treffen der Heere nicht statt. Ruy wurde vorgeworfen, nicht zum vereinbarten Treffpunkt gekommen zu sein, um den König in eine Niederlage laufen zu lassen, der Cid warf wiederum dem König vor, die Marschroute geändert zu haben, so dass er vergeblich am vereinbarten Treffpunkt gewartet habe. Die Almoraviden hatten sich zwar bei Nachricht von Alfonsos Näherkommen zurückgezogen, aber der Eklat im christlichen Lager war perfekt. Rodrigo wurde ein zweites Mal verbannt, einige seiner bisherigen Verbündeten fielen von ihm ab. Er plünderte nun die spanische Levante auf eigene Rechnung, kämpft immer mal wieder im Auftrag der Banū Hūd – jedenfalls des Zweigs, der Zaragoza beherrschte – und schloss Frieden mit Peter von Aragón. Bald fiel er in der Rioja ein, welches von seinem Erzfeind García Ordóñez verwaltet wurde. Der stellte zwar eine Gegenarmee auf, stellte sich aber nicht zum Kampf. Unter dem Eindruck der dritten Expedition der Almoraviden auf die iberische Halbinsel, vereinte sich Ruy Díaz noch ein letztes Mal mit Alfons. Bei dieser dritten Expedition kamen die Almoraviden, um zu bleiben. Waren sie bisher nur zur Unterstützung ihrer Glaubensbrüder nach al-Andalus gekommen, kamen sie nun in der Überzeugung, dass der Islam in al-Andalus nicht nur militärisch, sondern auch von Innen heraus gefährdet sei -die Quellen der Zeit sind voll von Vorwürfen gegen die Kleinkönige, die Mukūk at-Tawā’if, sie würden sich unislamisch verhalten, insbesondere illegale Steuern und Bündnisse mit Christen gegen Muslime wurden ihnen vorgeworfen. Neben den Vorwürfen haben wir auch eine wunderschöne Quelle, die das bestätigt: Die Erinnerungen (Mudakkirāt) des Königs von Granada, 'Abdallāh ibn Buluggīn. In diesen Erinnerungen, geschrieben im Hausarrest in Āġmāt nahe Marrakesh rechtfertigt sich der Zīrīde 'Abdallāh gegenüber solchen Vorwürfen.

1090 jedenfalls trafen sich die Heere Alfonsos und Rodrigos vor Granada, zogen aber nach erneutem Streit unverrichteter Dinge wieder ab. Rodrigo intensivierte daraufhin seine Aktionen an der spanischen Ostküste und eroberte schließlich 1094 Valencia, eine Stadt welche die Almoraviden mehrfach zu erobern versuchten, was ihnen aber zunächst nicht gelang. Der Cid starb dort 1099 – im Bett. Seiner Frau Jimena gelang es noch drei Jahre, die Stadt zu halten, dann wurde sie aufgegeben. König Alfonso stellte eine Armee auf, die stark genug war, ihr Gefolge vor Angriffen der Almoraviden zu schützen.

Ibn 'Alqama zufolge – der Augenzeugenschaft für sich beansprucht – war die Herrschaft des Cid ein Schreckensregime. Den Richter Ibn Ğahhaf, der sich die Schätze des Königs al-Qādir von Toledo, der als Marionettenherrscher Alfonsos VI. im Tausch gegen Toledo über Valencia eingesetzt worden war, einverleibt hatte, ließ Rodrigo nach dem Zeugnis des Ibn 'Alqama verbrennen, weil er diesem nicht glauben wollte, dass er alle Schätze ausgeliefert habe. Ibn Ğahhaf soll sich die brennenden Holzscheite noch näher herangezogen haben, um seine Leiden zu verkürzen. Ibn Ṭāhir, der von den 'Abbādiden (Königreich Sevilla) vertriebene Herrscher der Stadt Mursiyya (heute Murcia), der in Valencia vor deren Eroberung durch Ruy Díaz Zuflucht gefunden hatte, fand sich plötzlich im Gefängnis wieder - bis er ein entsprechendes Lösegeld auftreiben konnte. Er selbst hat das in einem Gedicht aus dem Gefängnis, dass sich in der Sammlung des Ibn Bassām, der Daḫīra wiederfindet, überliefert.

Quelle: wikipedia – bereinigt von Überlieferungen und Verklärungen
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