Inwiefern bedeutete die Renaissance eine Chance auf Menschenrechte?

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Inwiefern bedeutete die Renaissance eine Chance auf Menschenrechte?

Beitrag von Moschusochse am Di Apr 28, 2015 9:41 pm

Welche Impulse verlieh die Renaissance Impulse für die Menschenrechte?
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Re: Inwiefern bedeutete die Renaissance eine Chance auf Menschenrechte?

Beitrag von Marek1964 am Mi Apr 29, 2015 10:10 pm

Renaissance bedeutet geistiges Erwachen, Wiederentdecken menschlichen Denkens, Entwicklung des Humanismus. Basis zur Aufklärung, des Infragestellens, des menschlichen Geistes und dem Entwickeln des sozialien und gerechten Sinnes.

Aber das war ein langwieriger Prozess.
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Marek1964
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Re: Inwiefern bedeutete die Renaissance eine Chance auf Menschenrechte?

Beitrag von Wallenstein am Do Apr 30, 2015 10:29 am

Soweit ich mich erinnere, entwickelte sich in der Renaissance die Vorstellung vom Naturecht, aus denen die Menschenrechte abgeleitet wurden. Jeder Mensch hat von Geburt aus natürliche Rechte, das Recht auf Leben, auf Eigentum, auf körperliche Unversehrtheit usw. Jeder Mensch verspürt instinktiv, dass er solche Rechte hat, sie seien natürlich im Gegensatz zum positiven Recht, dem von den Fürsten gesetztes Recht, welches häufig völlig willkürlich ist.

Die meisten Theoretiker konstruieren einen früheren Idealzustand. Früher hätte alle Menschen ihr Eigentum gehabt und lebten friedlich miteinander. Dann gab es Streit und Auseinandersetzungen. In dieser Zeit entsteht der Staat, um die Auseinandersetzungen zu schlichten. Dieser handelt aber meistens völlig willkürlich und missachtet die Naturrechte. Deshalb müssen die Bürger in Zukunft ihre Regierung selber wählen und diese muss dann die Menschenrechte einhalten.

Die Vorstellung steht im Zusammenhang mit der Auflösung der traditionellen Gesellschaft am Ende des Mittelalters. Es beginnt sich ein Bürgertum zu entwickeln, welches sich aus der feudalen Gesellschaft löst und auf die freie Verfügung über das Eigentum besteht, welches nicht mehr durch feudale Beschränkungen, Zunftordnungen oder merkantilistische Wirtschaftspolitik eingeengt werden soll. Der freie Eigentümer braucht Menschenrechte, um sich durchzusetzen, vor allem gegenüber dem Staat, dessen Gesetze er in Zukunft selber beschließen will.

Die Idee der Menschenrechte existierte auch schon früher vereinzelt bei einigen Theoretikern. Durchsetzen konnten sich solche Vorstellungen aber erst, nachdem eine soziale Schicht entstanden war, die sie aufgreifen und realisieren konnte.

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Re: Inwiefern bedeutete die Renaissance eine Chance auf Menschenrechte?

Beitrag von Sebius am Mo Jun 04, 2018 2:20 pm

Die Renaissance im Bezug auf "Menschenrechte" etwas kritischer betrachtet:

Mit der Renaissance begannen Menschenrechtsverletzungen welche es zuvor in der Geschichte solchen Ausmaßes noch nie gab, eine Massenvernichtung nahezu aller indigenen Völker der Erde und parallel dazu eine Umweltzerstörung die bis heute anhält, unter dieser fast alle Menschen leiden.

„Macht euch die Erde untertan“
(Genesis 1,28 „Macht sie euch untertan“ * ) von Dr. M. Luther. Mit „Euch“ sind  Angehörige abrahamitischer Religionen gemeint und die Implikation war erschreckend:

Dazu aus „Der Freien Universität Berlin“ *

... Für das spätere Hispanoamerika erscheint ein Richtwert von rund 35-40 Mio. plausibel. Für Nordamerika schwanken die Zahlen zwischen 7 und 10 Mio. Ureinwohnern und für Brasilien zwischen 500.000 und 2,5 Mio. Allein in Hispanoamerika ging die indigene Bevölkerung im Lauf der folgenden gut 150 Jahre insgesamt um circa 90% zurück.

Bereits im 16. Jahrhundert war die Dimension der Demographischen Katastrophe erschreckend. In Mexiko und Zentralamerika betrug der Bevölkerungsrückgang zwischen 1519 und 1568 wahrscheinlich mehr als 90%, in den meisten anderen Regionen zwischen 80 und 90%. Auf den Karibikinseln wie v.a. der Insel Hispaniola kann man regelrecht vom Aussterben der Urbevölkerung sprechen. ...
aus

Geistige Grundlage war ein neoabrahamitisch- biblisches Bewusstsein als die einzige Wahrheit. Durch Reformatoren verbreitet wurden Weltreligion die drei als Eine in unserem heutigen Verständnis aneinander angeglichen und waren geistig- strukturelle Basis. Es galt im Wettbewerb möglichst jeden zu verdrängen, zuerst außerhalb der Kultur- aber genauso im eigenen Kulturkreis. Das entwicklungsträge Mittelalter als letzter Ausläufer gesellschaftspolitischer Spätantike wich einem zunehmenden Turbokapitalismus der nun aufkommenden bürgerlichen Gesellschaft.

Das Vermögen einer Person nahm seine Stellung in der Gesellschaft ein. Reichtum wurde zum moralischen Anspruch und bildeten ab nun einen unzertrennbaren Kontext. Banken und deren Gründer wurden zum neuen Hochadel, jeder kennt deren Namen und von Europa aus machten sie Karriere in der Neuen Welt.

Mit der Französischen Revolution, einer Aufklärung auf historischer Basis durch die Entschlüsselung antiker Schriften setzte eine kurze Erholphase ein. Das Ende Napoleons war auch das Ende der Aufklärung und die drei Weltreligionen nahmen mit Trug und Schein wie zuvor auf biblischer Religions- und Kirchenbasis die politische Machtposition im Staat wieder ein, bis heute.

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Re: Inwiefern bedeutete die Renaissance eine Chance auf Menschenrechte?

Beitrag von van Kessel am Mi Jun 06, 2018 12:19 am

hi "Sebius",

Dazu aus „Der Freien Universität Berlin“ *

... Für das spätere Hispanoamerika erscheint ein Richtwert von rund 35-40 Mio. plausibel. Für Nordamerika schwanken die Zahlen zwischen 7 und 10 Mio. Ureinwohnern und für Brasilien zwischen 500.000 und 2,5 Mio. Allein in Hispanoamerika ging die indigene Bevölkerung im Lauf der folgenden gut 150 Jahre insgesamt um circa 90% zurück.

Bereits im 16. Jahrhundert war die Dimension der Demographischen Katastrophe erschreckend. In Mexiko und Zentralamerika betrug der Bevölkerungsrückgang zwischen 1519 und 1568 wahrscheinlich mehr als 90%, in den meisten anderen Regionen zwischen 80 und 90%. Auf den Karibikinseln wie v.a. der Insel Hispaniola kann man regelrecht vom Aussterben der Urbevölkerung sprechen. ...
aus
die Zahlen sollten nicht verdecken, dass die meisten der indigenen Opfer beider Amerika, durch Bakterien-/Virentransfer verursacht wurden, gegen welche die dortige Bevölkerung keine Abwehrstoffe evolutionär entwickelt hatte.

Die 'französische Krankheit' als Gegengeschenk an Europa, deckt bei weitem nicht die Opfer europäischer Infektionskrankheiten; mehr als Musketenkugeln und Säbeln jedenfalls.

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Re: Inwiefern bedeutete die Renaissance eine Chance auf Menschenrechte?

Beitrag von Sebius am Mi Jun 06, 2018 8:15 am

@van Kessel,

das ist schon richtig dass die indigene Bevölkerung Amerikas gegen mehrere europäische Krankheiten keine Abwehrstoffe hatten, war aber aufgrund deren isolierter Lebensform weit ab europäischer Siedler nicht bedrohlich. Der Infektionskontakt fand gezielt mit bakterieller/biologischer Kriegsführung statt, dazu:

Biologische Kriegsführung, die Neuzeit – Pocken und Blattern (aus*)

In der frühen Neuzeit erreichte der Einsatz biologischer Waffen einen neuen Höhepunkt: Die Ureinwohner Amerikas hatten gegenüber den Viren und Bakterien Europas keine Abwehrstoffe entwickelt, die europäischen Eroberer erkannten das schnell und setzten Krankheitserreger gegen die Einheimischen ein – mit gewaltigem Erfolg. ... *

Indianerkriege:
...  Jeffrey Amherst Oberbefehlshaber der britischen Truppen, erörterte in einem Briefwechsel mit dem Fortkommandanten Henry Bouquet konkrete Vorgehensweisen, mit Pockenviren verseuchte Decken aus einem nahen Militärhospital heranzuschaffen und unter den Indianern zu verbreiten. ... Indianerkriege

Hier der originale Schriftverkehr Henry Bouquet und Jeffrey Amherst dazu:




Aus https://www.umass.edu/legal/derrico/amherst/lord_jeff.html

 Die Renaissance, als eine „Neue Zeit" (Neuzeit) in der „Neuen Welt“ romantisch verklärt mitunter dargestellt wird, aber in Wahrheit rücksichtslos und auf Ausbeutung bedacht war,  "Humanistisches" in der Renaissance existierte m.M. mehr in Theorie.

Genauso bei den „Hexenverfolgungen“ –erst mit dem Gedanken der Renaissance in der Neuzeit erreichten Folter und Grausamkeit in dem Ausmaß solche Menschen, dazu:

... Viele glauben, die Hexenverfolgen haben im Mittelalter stattgefunden. Mit dem Begriff Mittelalter wird dabei oft rückständiges Denken und Aberglaube verbunden, welche dann in der Neuzeit, dem sogenannten Zeitalter der Aufklärung überwunden worden sei.
Doch nicht im "finsteren Mittelalter" fanden die groß angelegten Hexenverbrennungen statt, sondern mit dem Beginn der frühen Neuzeit, dem Zeitalter von Renaissance und Humanismus(!!!). ...
aus

Zitat Dr. Martin Luther „Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen“ und der Hexenhammer (Henricus Institoris, 1486) ist ein Klassiker der Renaissance.

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Re: Inwiefern bedeutete die Renaissance eine Chance auf Menschenrechte?

Beitrag von van Kessel am Do Jun 07, 2018 12:01 am

hi "Sebius",
das ist schon richtig dass die indigene Bevölkerung Amerikas gegen mehrere europäische Krankheiten keine Abwehrstoffe hatten, war aber aufgrund deren isolierter Lebensform weit ab europäischer Siedler nicht bedrohlich*. Der Infektionskontakt fand gezielt mit bakterieller/biologischer Kriegsführung statt, dazu:
sicher gab es diese 'Aktionen'. Genaues und 'vermutetes' zeigt der link
http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Indigene_V%F6lker_Nordamerikas.html

Ich denke wir sind uns einig, dass mit der spanischen Eroberung der neuen Welt (Nord & Süd), das große Sterben der indigenen Völker begann; teils mit Eisen**, teils mit Viren und Bakterien, teils mit dem Bösen per se. Und weiterhin dauert dieses Sterben in den Reservaten unter Benutzung des 'Feuerwassers', oder - wie in Brasilien - mit der Vernichtung des Environments an.


* diesen Satz verstehe ich nicht. Eine Infektion - z.B. durch einen weißen Trapper (oder spanischen Eroberer) auf einen Indianerstamm gebracht - hätte schon ausgereicht, diesen Stamm komplett oder teilweise zu eliminieren. Quarantäne und Erkennen von Krankheiten, sind eine recht neue 'Erfindung'. Ebenso, wie sich in Europa rasant,Geschlechtskrankheiten verbreiteten, welche die indigenen Völker den Eroberern danach, mit auf den Weg 'gaben' und für welche es keine europäischen Gegenmittel (im Anfang) gab.


** als Cortez 1520 Tenochtitlan mit 1000 Mann vernichtete, 'hinterließ' er über 100.000 tote Azteken.




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Re: Inwiefern bedeutete die Renaissance eine Chance auf Menschenrechte?

Beitrag von Sebius am Do Jun 07, 2018 6:52 am

@van Kessel,

ja, da bin ich ganz bei Dir, was diesen Menschen angetan wurde ist unentschuldbar.  

Dem Schriftverkehr Henry Bouquet und Jeffrey Amherst nach war die Erkenntnis und Anwendung bakterieller Kriegsführung kein „Wissenschaftsergebnis aus dem Labor“ sondern die Summe der Erfahrungen, dass Menschen indigener Herkunft auf gewisse Krankheiten sterben. Die Symptome der Krankheiten waren bereits im früheren Mittelalter bekannt, dazu:

... Der Name „Pocken“ kommt zum ersten Mal in einer angelsächsischen Handschrift aus dem 9. Jahrhundert am Ende eines Gebets vor: ... geskyldath me wih de lathan Poccas and with ealleyfeln. Amen. („... beschützt mich vor den scheußlichen Pocken und allem Übel. Amen.“) Das Wort Pocken kommt aus dem Germanischen und bedeutet „Beutel“, „Tasche“, „Blase“, „Blatter“. Es ist mit den englisch pocket, pox, pocks und französisch poche verwandt. ... aus Wikipedia

- nur konnte man „in der Neuen Welt“ (Amerikas) die Erreger nicht in einem Pulver o.Ä. isolieren und verstreuen so wie bei heutiger bakterieller Kriegsführung. Die Taktik kontaminierter Decken war eine der Möglichkeiten, vor allem liegt sie schriftlich und nachweisbar vor, es gab sicher mehrere Anwendungsformen, z.B. Schwerkranke in ein Dorf zu schleusen.  

Bereits auf Grippeviren reagieren indigene Völker lebensbedrohend, dazu ein  Bericht aus Spektrum.de

Wie Du bereits in Deinem vorigen Beitrag erwähnt hast, das Massensterben indigener Menschen Amerikas, der insgesamt etwa 60 000 000 (60 Millionen!) seit der Kolonialisierung geht mindestens genauso auf ethnokulturelle Krankheiten zurück, wo aber sehr bald eine taktische Beabsichtigung zugrunde lag.

Von den Zahlen her und der angewandten Grausamkeit betrachtet, wurden niemals in der Geschichte der Menschheit zuvor so viele gequält, gefoltert und vernichtet als im angeblichen „Humanismus der Renaissance“.

Sebius

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