Die Türkei nach Atatürk: Kampf zwischen Fortschritt und Rückschritt? Welche Rolle spielt der Islam? Der kranke Mann am Bosporus?

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Re: Die Türkei nach Atatürk: Kampf zwischen Fortschritt und Rückschritt? Welche Rolle spielt der Islam? Der kranke Mann am Bosporus?

Beitrag von Nepomuk am Mo Aug 22, 2016 3:41 pm

Marek1964 schrieb:Ich habe jedenfalls schon einige gute Beiträge von marylinjackson gelesen.

Zumindest in gewisser Weise habe ich Thilo Sarrazin so verstanden, dass er meinte, es hätte die massive Zuwanderung an Hilfskräften dafür gesorgt, dass der Strukturwandel verzögert worden ist.

Ich selbst bin mir da allerdings nicht so sicher. Jedenfalls darf die Frage gestellt werden, ob es vernünftig war, vor allem Menschen aus doch recht weit entfernten Kulturen herzuholen. Dabei scheint mir, und das ist ja eigentlich das Theme des Threads - dass der Begriff "Türken" insofern schon problematisch ist, da es enorme Unterschiede innerhalb der türkischen Gesellschaft gibt.

Das dürfte auch heute nicht wirklich überwunden sein - die Konflikte und Probleme werden auch in Deutschland unter Türken ausgetragen, gebildete Türken ziehen aus Quartieren wie Neu-Kölln oder Duisburg-Marxloh weg.

Es gibt ja auch die Unterschicht-Theorie, was die türkische Einwanderung anbelangt. Aber davon vielleicht ein andermal mehr. Jedenfalls hätte man in den 60er Jahren sicher Alternativen zu verstärkten türkischen Einwanderung gehabt.

Ja Marek da stimme ich dir zu, Marylinjackson hat auch gute Beiträge geschrieben, auch wenn man nicht immer Ihrer/Seiner (?) Meinung sein muß.

Nepomuk
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Re: Die Türkei nach Atatürk: Kampf zwischen Fortschritt und Rückschritt? Welche Rolle spielt der Islam? Der kranke Mann am Bosporus?

Beitrag von Skeptik am Mo Aug 22, 2016 4:10 pm

marylinjackson schrieb:Welche Rolle spielt der Islam? Islamismus bedeutet fundamental gelebter Islam. Und unsere islamischen Freunde, voran Erdogan, halten sich offensichtlich an Sure 4:143.

Dort steht: O ihr, die ihr glaubt, nehmt nicht die Ungläubigen zu Freunden vor den Gläubigen.

Man wird es immer schwer haben, ein anderes Volk zu beurteilen. Man kann immer nur versuchen zu ergründen, warum es so ist wie es ist. Ein Volk ist auch immer das Ergebnis seiner Geschichte. Wenn ich mir die Größe und Ausdehnung des Osmanischen Reiches anschaue:

http://www.umich.edu/~turkish/ottemp.html

und dann die jetzige Größe:

http://www.umich.edu/~turkish/reptr.html

kann man in etwa verstehen, von wo das türkische Volk „runterkommen“ mußte. Man suchte neue Bezugspunkte für eigene Größe und fand sie in der Türkischen Geschichtsthese:

https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkische_Geschichtsthese

Als das nicht mehr haltbar war wandte man sich von 1936 bis 1938 einer „Sonnensprachtheorie“ zu und erhob sie zur Staatsdoktrin:

https://de.wikipedia.org/wiki/Sonnensprachtheorie

In den Schulbüchern machte man die Türkei flächenmäßig größer als sie ist:

http://www.welt.de/politik/ausland/article4699689/Seltsame-Grosstuerkei-in-Schulbuechern-am-Bosporus.html

und versuchte in den Texten die eigene Bedeutung zu überhöhen.

Kostproben aus manipulierten Schultexten:

"Der christliche Glaube steigerte noch den ohnehin gegebenen Mut der Engländer. Die britische Armee war immer bereit für Krieg; sie kannte das Wort "Müdigkeit" nicht. Es wurde gesagt, dass hundert Engländer lauter sind als 10.000 Muslime. (...) Die Engländer sind das tapferste Volk der Geschichte. Dank dieser Tapferkeit gründete unsere Nation große Länder, die einen wichtigen Platz in der Geschichte einnehmen, und beherrschte viele Völker (...) Briten lügen und betrügen nicht. (...) Die britische Nation glaubt, dass Sauberkeit vom Christentum kommt."

60 Prozent der 140 Lehramtsstudenten fanden diesen Text unerträglich voreingenommen und für den Unterricht völlig ungeeignet. Was natürlich auch stimmt, nur änderte sich die Ansicht mancher Kritiker, als sie den echten Text sahen:

"Der muslimische Glaube steigerte noch den ohnehin gegebenen Mut der Osmanen. Die osmanische Armee war immer bereit für Krieg; sie kannte das Wort "Müdigkeit" nicht. Es wurde gesagt, dass hundert Osmanen lauter sind als 10.000 Christen. (...) Die Osmanen sind das tapferste Volk der Geschichte. Dank dieser Tapferkeit gründete unsere Nation große Länder, die einen wichtigen Platz in der Geschichte einnehmen, und beherrschte viele Völker (...) Türken lügen und betrügen nicht. (...) Die türkische Nation glaubt, dass Sauberkeit vom Islam kommt."

Dieser Text, mit den passenden Vokabeln "türkisch" und "muslimisch", war nun wieder doch nicht so voreingenommen – und eigentlich brauchbar für den Unterricht. Die Urheber der Studie nannten als Ergebnis, recht diplomatisch, dass sich die Bedeutung des Wortes "Voreingenommen" offenbar ändert, je nachdem, ob man von Engländern oder Osmanen spricht.


Der Islam ist sicher nur ein weiteres Vehikel bei dem Versuch der Türkei, eine besondere Bedeutung und Größe zu generieren.

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Re: Die Türkei nach Atatürk: Kampf zwischen Fortschritt und Rückschritt? Welche Rolle spielt der Islam? Der kranke Mann am Bosporus?

Beitrag von Nepomuk am Mo Aug 22, 2016 4:31 pm

Skeptik schrieb:
marylinjackson schrieb:Welche Rolle spielt der Islam? Islamismus bedeutet fundamental gelebter Islam. Und unsere islamischen Freunde, voran Erdogan, halten sich offensichtlich an Sure 4:143.

Dort steht: O ihr, die ihr glaubt, nehmt nicht die Ungläubigen zu Freunden vor den Gläubigen.

Man wird es immer schwer haben, ein anderes Volk zu beurteilen. Man kann immer nur versuchen zu ergründen, warum es so ist wie es ist. Ein Volk ist auch immer das Ergebnis seiner Geschichte. Wenn ich mir die Größe und Ausdehnung des Osmanischen Reiches anschaue:

http://www.umich.edu/~turkish/ottemp.html

und dann die jetzige Größe:

http://www.umich.edu/~turkish/reptr.html

kann man in etwa verstehen, von wo das türkische Volk „runterkommen“ mußte. Man suchte neue Bezugspunkte für eigene Größe und fand sie in der Türkischen Geschichtsthese:

https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkische_Geschichtsthese

Als das nicht mehr haltbar war wandte man sich von 1936 bis 1938 einer „Sonnensprachtheorie“ zu und erhob sie zur Staatsdoktrin:

https://de.wikipedia.org/wiki/Sonnensprachtheorie

In den Schulbüchern machte man die Türkei flächenmäßig größer als sie ist:

http://www.welt.de/politik/ausland/article4699689/Seltsame-Grosstuerkei-in-Schulbuechern-am-Bosporus.html

und versuchte in den Texten die eigene Bedeutung zu überhöhen.

Kostproben aus manipulierten Schultexten:

"Der christliche Glaube steigerte noch den ohnehin gegebenen Mut der Engländer. Die britische Armee war immer bereit für Krieg; sie kannte das Wort "Müdigkeit" nicht. Es wurde gesagt, dass hundert Engländer lauter sind als 10.000 Muslime. (...) Die Engländer sind das tapferste Volk der Geschichte. Dank dieser Tapferkeit gründete unsere Nation große Länder, die einen wichtigen Platz in der Geschichte einnehmen, und beherrschte viele Völker (...) Briten lügen und betrügen nicht. (...) Die britische Nation glaubt, dass Sauberkeit vom Christentum kommt."

60 Prozent der 140 Lehramtsstudenten fanden diesen Text unerträglich voreingenommen und für den Unterricht völlig ungeeignet. Was natürlich auch stimmt, nur änderte sich die Ansicht mancher Kritiker, als sie den echten Text sahen:

"Der muslimische Glaube steigerte noch den ohnehin gegebenen Mut der Osmanen. Die osmanische Armee war immer bereit für Krieg; sie kannte das Wort "Müdigkeit" nicht. Es wurde gesagt, dass hundert Osmanen lauter sind als 10.000 Christen. (...) Die Osmanen sind das tapferste Volk der Geschichte. Dank dieser Tapferkeit gründete unsere Nation große Länder, die einen wichtigen Platz in der Geschichte einnehmen, und beherrschte viele Völker (...) Türken lügen und betrügen nicht. (...) Die türkische Nation glaubt, dass Sauberkeit vom Islam kommt."

Dieser Text, mit den passenden Vokabeln "türkisch" und "muslimisch", war nun wieder doch nicht so voreingenommen – und eigentlich brauchbar für den Unterricht. Die Urheber der Studie nannten als Ergebnis, recht diplomatisch, dass sich die Bedeutung des Wortes "Voreingenommen" offenbar ändert, je nachdem, ob man von Engländern oder Osmanen spricht.


Der Islam ist sicher nur ein weiteres Vehikel bei dem Versuch der Türkei, eine besondere Bedeutung und Größe zu generieren.

Ein Volk ist NICHT NUR das Ergebnis seiner Geschichte. Geschichte ist das das Pendel der Vernunft, aber Wahrheitsgemäß gesagt, ist ein Volk auch Ergebnis seiner Künste, seiner Philosophie, wobei ich mit Künsten auch die errungenen Wissenschaftsgebiete dazu zähle. Albert Einstein, hat z.B, durch seine Relativitäts-Theorie, den Deutschen eine wahre Kunst im bereich der Physik erweiesen. Ok, Max Plank, Werner Heisenberg und Burkhard Heim auch.
Wenn man ALLES nur auf die Geschichte projeziert, was man "">>Kann<<""aber Nicht "">>Muß<<"", dann verstecken wir uns in einem Tunnel der nur ungerade Polaritäten als Gesetz justiert.

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Re: Die Türkei nach Atatürk: Kampf zwischen Fortschritt und Rückschritt? Welche Rolle spielt der Islam? Der kranke Mann am Bosporus?

Beitrag von Klartext am So März 25, 2018 10:26 pm

Erdogan hat offenbar zur deutsch-türkischen Rockergang Osmanen Germania:

https://www.derwesten.de/politik/am-telefon-mit-erdogan-osmanen-rocker-wurden-ueberwacht-dann-meldete-sich-der-praesident-id213836433.html

Deutschland, das Schlachtfeld Europas?

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Re: Die Türkei nach Atatürk: Kampf zwischen Fortschritt und Rückschritt? Welche Rolle spielt der Islam? Der kranke Mann am Bosporus?

Beitrag von Skeptik am Mo März 26, 2018 9:31 am

Erdogan führt wohl sehr gerne verfängliche Telefonate. 2014 mußte er sofort mit seinem Sohn telefonieren. Es duldete keinen Aufschub. Millionen Korruptionsgeld im heimischen Tresor standen im Feuer und mußten weggeschafft werden.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-youtube-video-bringt-erdogan-in-bedraengnis-a-955484.html

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Re: Die Türkei nach Atatürk: Kampf zwischen Fortschritt und Rückschritt? Welche Rolle spielt der Islam? Der kranke Mann am Bosporus?

Beitrag von Klartext am Mi Jul 11, 2018 10:05 am

Nach seinem Wahlsieg, zu dem zwei Drittel der Türken in Deutschland, unter ihnen auch die beiden Fussballer Mesüt Özil und Ilkay Gündogan, macht nun Erdogan weitere Schritte in Richtung Alleinherrschaft und Abschaffung der modernen Türkei:

https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/spahns-spitzwege/erdogan-errichtet-neu-osmanien/

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Re: Die Türkei nach Atatürk: Kampf zwischen Fortschritt und Rückschritt? Welche Rolle spielt der Islam? Der kranke Mann am Bosporus?

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