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Die Geschichte der Loveparade - die Vorgeschichte des Loveparade Unglücks

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Beitrag von Marek1964 am Do Jul 23, 2020 9:17 pm

Im Jahre 1987 war ich das erste Mal in Berlin, nur West Berlin natürlich, als Exil Tschechoslowake war für mich die DDR tabu, bin natürlich auch geflogen, mit der Bahn von Basel nach Frankfurt, dann für nur 222 DM, mit ausgewiesener Berlin Subvention, mit der Pan Am nach Tegel. Ein Direktflug aus Basel, hätte mich 2000 DM gekostet... Schon damals beeindruckte mich die Stadt und die Leute mit einer ungeheuren Vielfalt. Ich besuchte eine Freundin, und mit ihr waren wir in einer Disko oder einem Klub, und dort war wirklich alles vorhanden, Punks, Yuppies, Funkies, ich weiss nicht was alles noch. Besonders imponierte mir ein Paar, das im 50er Jahre Look daherkam. Er sah aus wie Elvis Presley, und sie wie eine für diese Zeit typische Wasserstoffblondine. Ich interessierte mich für Autos, auch und besonders für 50er Jahre, und war schwer beeindruckt, als diese beiden dann mit eine Opel Rekord, Baujahr so mitte 50er Jahre, in perfektem Zustand und in damals typischen Pastellfarben, davongefahren sind.

Diese Vielfalt, die damals noch eine absolut nichtkriminelle und nicht.islamische war, zumindest soweit ich das sehen konnte, imponierte mir und kam mir auch absolut neu vor, dabei war ich drei Jahre zuvor In London und dort war mir vergleichbares nicht aufgefallen.

So etwa war das Berlin der späten 80er Jahre, eine besondere Stadt, durch diesen sonderbaren Status, und mit einem wilden Kunterbunt Leben, als meine damalige Freundin mich dann einige Wochen später in Basel besuchte, sassen wir im Garten mit einem Schulfreund von mir, der einige Zeit in München lebte, und diese Stadt auch liebte, sich aber von meiner Freundin zurechtweisen lassen musste: München ist im Vergleich zu Berlin Provinz. Ob meine Freund Widerstand geleistet hat, weiss ich nicht, aber sicher sind seine Argumente, sofern er überhaupt welche vorbrachte, nicht in Erinnerung geblieben...

In diesem Umfeld entstand 1989, im Sommer, die erste Loveparade. Eine verrückte Idee, die allerdings von der Acid Bewegung in England übernommen wurde: Eine Party soll als politische Demonstration angemeldet werden, dann kann man auf der Strasse tanzen.. Und tatsächlich wurde eine solche auf dem Kurfüstendamm bewillig, ein VW Bus mit einem Reprogerät und Boxen war dabei und spielte Techno Musik und 150 Demonstranten tanzten drumrum.

Demonstrationsmott war "Friede Freue Eierkuchen" - also sollte in dieser geteilten Stadt, die von 20 sowjetischen Divisionen und weiteren der NVA der DDR umringt war, für den Weltfrieden, Völkerverständung und gerechte Nahrungsmittelverteilung demonstriert werden.

So stand am Anfang der Loveparade ein kleiner Betrug: Für eine Party sollte das Demonstrationsrecht genutzt werden.

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Beitrag von Marek1964 am Do Jul 23, 2020 10:13 pm

Die Mutter einer der in Duisburg verunfallten jungen Frau, die Italienerin Nadia Zanecchi, zitierte recht tragisch, die letzten Worte Ihren Tochter, die sie an sie richtete, dass sie an die Loveparade gehen würde, es sei ein Fest, dass die Deutsche Wiedervereinigung feiern würde, und sie solle sich nicht sorgen machen, die Deutschen würden alles perfekt organisieren. Beides stimmte nicht, das erste allerdings nicht ganz falsch, das zweite leider ein tragischer Irrtum.

Als im Juli 1989 die erste Loveparade Demo über die Bühne ging, ahnten nur die allerwenigsten, dass der Mauerfall und das Ende des kommunistisch sozialistischen Experiments eigentlich nur einige Wochen danach, nämlich durch die Grenzöffnung der Ungarn, in die Wege geleitet wurde. In Polen war aber schon der runde Tisch installiert, wo auch die Solidarnosć und die Kirche teilnahmen.

Der Mauerfall kam am 9. November und danach fielen wie Dominosteine alle kommunistischen Regimes, es war eine unglaublich schöne Zeit, an die ich mich immer auch gerne erinnere, mit sehr viel Wehmut, wenn ich daran denke, wie linksextremes und islamistisches Gedankengut Westeuropa heute zerfrisst. Heute lebe ich in Tschechien und sehe mich auch heute auf der Seite der Freiheit, wie damals in der Schweiz oder Westberlin, heute ist der Westen nicht frei, nur noch halbfrei oder vogelfrei, und auch die Loveparade ist das Symbol dieses Wechsels.

Aber zur Loveparade und ihrer zweiten Ausgabe, 1990. Durch den Mauerfall pilgerten viele Ostdeutsche in die West Berliner Technoklubs, vor allem der Klub UFO wurde bekannt. Und als die Loveparade 1990 stieg, waren schon 2000 Besucher dabei. So lag Giulia Minola, die Tochter von Nadia Zanecchi nicht ganz falsch: Die wiedererlangte Freiheit der ostdeutschen Technofans war ein wichtiger Faktor für das rasante Wachstum der Loveparade in den folgenden Jahren.

Nächstes Jahr waren es dann 6000, dann 15 000, 30 000, 120 000 und 1995 über 300 000. Mathias Roeingh, besser bekannt als Dr, Motte und einer der Initianten der Loveparade, sagte dann 2010, man hätte damals gesehen, dass nun die Strecke am Kurfürstendamm, immerhin eine Vierspurige Strasse, nicht mehr ausreicht, auch die Seitenstrassen waren voll, und ja, man fühlte sich für die Sicherheit der Leute verantwortlich, und so suchte man eine neue Strecke und fand diese, zusammen mit den Behörden, mit der Strasse des 17. Juni - dem Tag der Deutschen Einheit, wie in Westdeutschland lange Jahre der Aufstand in der DDR 1953 gefeiert wurde - zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule am Friedensplatz.., symbolträchtiger ging es kaum, allerdings waren den Organisatoren wie auch den meisten Teilnehmern wohl diese Symbole nicht wichtig oder bewusst, es ging darum Spass zu haben, in einer Zeit, die sicher zu den sorgloseren der Menschheitsgeschichte gehört.

Dieses Ambiente war aber einziegartig und liess die Teilenehmerzahlen nocheinmal explodieren. Im Jahre 1999, der vierten Loveparade auf der neuen Paradestrecke, sollen 1,5 Millionen Zuschauer an der Loveparade dabei gewesen sein. Es sind Angaben der damaligen Veranstalter, die Besucherzahlen sollten in der Folge noch manches Mal zu reden geben.


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Beitrag von Marek1964 am Do Jul 23, 2020 10:34 pm

Mit dem Wachstum der Loveparade wuchs aber auch die Kritik an der Loveparade, Gründe gab es mehrere.
Natürlich war es fragwürdig, eine Party als politische Demonstration auf öffentlichem Grund stattfinden zu lassen.

Dies wurde umso mehr ein Thema, als mit der wachsenden Zahl auch eine exponentiell wachsende Menge Müll entstand - ja, man könnte böse sagen, da demonstriert man also für den Frieden und für gerechte Nahrungsmittelverteilung, sehr hohe Ziele, aber den eigenen Müll ist man nicht in der Lage zu vermeiden oder zu entsorgen.. dazu musste die städtische Reinigung herhalten und wurde also auch vom Steuerzahler bezahlt.

Aber in der städtischen Politik war man sich doch in weiten Teilen bewusst, dass die Loveparade ein Magnet geworden ist, der viele Touristen und damit auch Geld in die Städtischen Kassen spülte. Denn die meisten G¨ste, die tmitunter auch aus dem Fernen Japan kamen, kamen nicht nur für diese Parade, sondern besuchten Klubs der Technoszene aber sicher auch die vielen anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt, sodass da schon ein Faktor entstand, der manchen Politiker die Augen vor den negativen Aspekten der Loveparade verschliessen liess.

Ein anderer Faktor war, dass sich die Loveparade selbst untreu und kommerziell wurde. Es wurde zunehmend auch nicht nur Techno Musik, sondern auch Mainstream Muslik zugelassen, und ebenso Sponsoren. Gleichzeitig wurden Gebühren und Ansprüche an die Betreiber der der Musik-Trucks, später Floats genannt, erhöht. Tja, die einstie Sponti Bewegung kam in ihr bürokratisches Alter- Und ja, es wurde auch gemunkelt, dass da gewisse Leute kräftig was verdienen.

Einer derjenigem, die sich damals zurückzog, war Sven Väth, des später schrieb: Als ich 2000 ein Wagen mit Gotthilf FIscher und dann einen Wagen von Kitekat mit Leuten drauf, die gevögelt haben, sagte ich mir, das wars.

Die Antwort der Veranstalter fiel so aus, wie man es heute vom im Establishment angekommenen linken Mainstream kennt: Arrogant, diffamierend, aber die konkreten Punkte auslassend: Er seit wohl unter die Frührentner und Tierschützer des Tiergartens gegangen.

Tatsächlich gab es auch viel Kritik von links, die die Depolitisierung der Veranstaltung, dr reinen Spassorientierung und der umweltunfreundlichen Belastung des Tiergartens durch die vielen Besucher - mittlerweile Raver genannt - von links wie rechts nicht gutgeheissen werden konnte, von dem enormen Müll, die diese eigentlich für die Weltverbesserung zuständigen Besucher zurückliessen.

Jedenfalls sank die Teilnehmerzahl nach 1999 wiederum, ob es nun wegen dem Verlust des Charakters wegen Zulassung von Mainstreammusik war, ob es wegen den negativen Begleiterscheinungen wie Lärm und Müll war, ob es wegen den zunehmenden Kosten und Auflagen für Betreiber der Musikwagen war, oder ob sich einfach die ganze Sache allmählich wieder am totlaufen war, kann ich hier sicher nicht beantworten. Man ist dann natürlich geneigt zu sagen, wahrscheinlich war es von allem etwas.

Ein Nackenschlag war auf jeden Fall, dass die Veranstaltung 2001 vom Bundesgerichtshof als kommerzielle Veranstaltung eingestuft wurde und fortan nicht mehr als Demonstration zugelassen war. Das hiess vor allem, dass die Weltretter nun für die Beseitigung des von ihnen erzeugten Mülls auch kostenmässig verantwortlich waren,sowas haben die Linken ja gar nicht gern, so konkret mit der Realität konfrontiert zu werden. Die Rechnung für linke Träumereien zahlen doch sonst immer andere, die bösen Kapitalisten oder die dummen Steruerzahler.

Immerhin, wer behauptet hätte, es wäre ihnen nur ums Geld gegangen, hätte aber auch Unrecht, jedenfalls fand die Loveparade nach diesem Entscheid noch 2002 und 2003 statt, aber dann waren die Reserven aus den guten Jahren verbraucht und 2004 und 2005 fand die Loveparade nicht mehr statt. Die organisierende Firma, Planetcom, stand vor der Insolvenz. Und dann kamm doch die überraschende Wende, es kam ein Unternehmer, der Gründer und Inhaber der grössten Fitnesskette in Deutschland, Rainer Schaller.

Um es vorwegzunehmen: Nach der grössenwahnsinnigen Linken, die mit ihrer Tanzparade die Welt verbessern wollten (aber dies doch eher nur vorgaukelten und einfach nur Spass auf teilweisen Kosten der Allgemeinheit haben wollten), kam nur ein Unternehmer, der diese Veranstaltung eigentlich nur für die Aufwertung seiner Marke McFit nutzen wollte - sich aber in etwas reinsteigern sollte, das mit vernünftigem Marketing aber nichts mehr zu tun hatte, aber das 21 Menschenleben kosten sollte, dazu noch, wie man vernehmen konnte, sechs Selbstmorde, er aber in der Folge auch nie die Verantwortung übernahm, und sich aus der Verantwortung, toleriert von der Staatsanwaltschaft, und damit auch vom Gericht, und im Prinzip auch von den Medien, erfolgreich hat stehlen können, wiewohl nicht vergessen gehen sollte, dass er immerhin einige Gelder in den Opferhilfefonds hat fliessen lassen.

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