Kriegsbeginn feiern? 100 Jahre nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn am 23. Mai 1915
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Kriegsbeginn feiern? 100 Jahre nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn am 23. Mai 1915
Am 23. Mai 1915 hat Italien Österreich den Krieg erklärt, am 24. Mai begann der Angriff auf Tirol und an der Soča (Isonzo). Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi hat nun angeordnet, dass zur Feier des Kriegseintrittes vor 100 Jahren am 24. Mai an allen öffentlichen Gebäuden Italiens die italienische Trikolore gehisst werden muss. Die Anordnung hat in Südtirol, das unter dem italienischen Angriff vor 100 Jahren besonders zu leiden hatte, Empörung hervorgerufen. Sowohl Südtirols Landeshauptmann als auch mehrere Bürgermeister haben zivilen Ungehorsam angekündigt, was ihnen unangenehme strafrechtliche Folgen einbringen könnte. Unabhängig vom Südtirolproblem stellt sich die Frage: Soll man einen Kriegsbeginn feiern, oder nicht doch lieber ein Kriegsende?
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Re: Kriegsbeginn feiern? 100 Jahre nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn am 23. Mai 1915
Also, da bleibt mir die Spucke weg. Einen Kriegsbeginn feiern... zumal doch Italien erst nach vielerlei Versprechungen in den Krieg zog, aus heutiger Sicht eher ein Angriffskrieg, die territorialen Forderungen sind aus heutiger Sicht auch nicht zu billigen.
Man kann eines solchen Datums eingedenk sein, aber das zu feiern ist daneben.
Man kann eines solchen Datums eingedenk sein, aber das zu feiern ist daneben.
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Re: Kriegsbeginn feiern? 100 Jahre nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn am 23. Mai 1915
So eine Art solche Tage zu feiern, ist doch an Taktlosigkeit
NICHT zu überbieten !
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Nemeth- Gründungsmitglied
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Re: Kriegsbeginn feiern? 100 Jahre nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn am 23. Mai 1915
Hier habe ich ein Dokument gefunden, dass den Kriegseintritt Italiens recht gut beschreibt:
http://www.docjordan.de/gebirgskrieg/weltkrieg-hintergrund.html
Im Vorfeld der Kriegserklärung war Österreich-Ungarn, auch auf Drängen Deutschlands, bereit Gebiete mit überwiegend italienischer Bevölkerung abzutreten, nicht aber Südtirol.
Die westlichen Verbündeten versprachen da mehr - notgedrungen, da man ja 1915 ordentlich in der Defensive war.
So kann in der Tat die Kriegserklärung Italiens an die Mittelmächte tatsächlich als "sacro egoismo" bezeichnet werden, wobei daran eigentlich nichts heilig ist.
Das mit 100 Jahren Abstand immer noch feiern zu wollen ist wirklich ein Unding.
http://www.docjordan.de/gebirgskrieg/weltkrieg-hintergrund.html
Im Vorfeld der Kriegserklärung war Österreich-Ungarn, auch auf Drängen Deutschlands, bereit Gebiete mit überwiegend italienischer Bevölkerung abzutreten, nicht aber Südtirol.
Die westlichen Verbündeten versprachen da mehr - notgedrungen, da man ja 1915 ordentlich in der Defensive war.
So kann in der Tat die Kriegserklärung Italiens an die Mittelmächte tatsächlich als "sacro egoismo" bezeichnet werden, wobei daran eigentlich nichts heilig ist.
Das mit 100 Jahren Abstand immer noch feiern zu wollen ist wirklich ein Unding.
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Re: Kriegsbeginn feiern? 100 Jahre nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn am 23. Mai 1915
Schade - Renzi war ein Hoffnungsträger für mich. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte er auch hierzulande eine gute Presse, dank der Erfolge in seiner früheren Tätigkeit. Er wurde als Pragmatiker gesehen, der
Reformen schnell und entschlossen durchsetzt.
Das waren wohl nichts als Vorschußlorbeeren ....
Den Kriegsbeginn nach 100 Jahren zu begehen zeugt von einem Chauvinismus, der nichts, aber auch gar nichts aus der Geschichte gelernt hat und in den Kategorien des 19. und der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts denkfaul und beratungsresistent verharrt. Solche
kleinen Dinge wie das Hissen der Nationalfahne zu solch einem Anlaß ist wie ein Schlaglicht, das den wahren Charakter einer Sache plötzlich überdeutlich sichtbar macht. Als würde jemand die Taschenlampe m Dunkeln genau auf den gesuchten Gegenstand richten ....
Reformen schnell und entschlossen durchsetzt.
Das waren wohl nichts als Vorschußlorbeeren ....
Den Kriegsbeginn nach 100 Jahren zu begehen zeugt von einem Chauvinismus, der nichts, aber auch gar nichts aus der Geschichte gelernt hat und in den Kategorien des 19. und der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts denkfaul und beratungsresistent verharrt. Solche
kleinen Dinge wie das Hissen der Nationalfahne zu solch einem Anlaß ist wie ein Schlaglicht, das den wahren Charakter einer Sache plötzlich überdeutlich sichtbar macht. Als würde jemand die Taschenlampe m Dunkeln genau auf den gesuchten Gegenstand richten ....
Gontscharow- Gründungsmitglied
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Re: Kriegsbeginn feiern? 100 Jahre nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn am 23. Mai 1915
Renzi hat sich selbst als Hoffnungsträger profiliert, indem er sich zum "rottamatore" (Verschrotter) erklärt hat, der die alte, überholte Politikerkaste entsorgen werde. Kaum war er, ohne jemals ins Parlament gewählt worden zu sein, zum Ministerpräsidenten ernannt, hat er sich als erstes mit Silvio Berlusconi verbündet, der ja nicht gerade für Erneuerung steht. Mit der Androhung einer Regierungskrise und entsprechender Neuwahlen (bei denen die Parlamentarier ihren gut bezahlten Job riskieren) hat er es geschafft, ein neues Wahlgesetz durchzudrücken, das man als Ermächtigungsgesetz bezeichnen kann. Demnach bekommt die Partei, die mindestens 40 Prozent der Stimmen erhält (so viel hatte Renzis Partei PD bei der Europawahl) automatisch als Mehrheitsbonus 55 Prozent der Sitze im Parlament. Kommt keine Partei auf 40 Prozent, gibt es eine Stichwahl zwischen den zwei stärksten Parteien und der Sieger hat wiederum die 55 Prozent-Mehrheit. Damit hat sich Renzi gesichert, dass er in Zukunft ohne Koalitionspartner und ohne Rücksicht auf andere Meinungen regieren kann. Mehrere namhafte italienische Zeitungen (La repubblica, Il Tempo, Libero, Il fatto quotidiano) bezeichnen Renzi deswegen bereits als den "kleinen Diktator". Von den versprochenen großen Reformen hat Renzi bisher nur die Arbeitsmarktreform verwirklicht, die den Kündigungsschutz aufgeweicht, aber noch keine neuen Arbeitsplätze geschaffen hat. Ein wichtiger Programmpunkt Renzis waren Einsparungen in der öffentlichen Verwaltung. Ein Beispiel: Für einen Auftritt in Bozen als Wahlhelfer eines Parteifreunde hat Renzi auf Staatskosten eine große Entourage an Politikern und Journalisten mit zwei Flugzeuge nach Bozen gebracht, ein Hubschrauber war bereits vorausgeflogen, um vor Ort zur Verfügung zu stehen. Kosten insgesamt: 27.000 Euro die Stunde. Wenn Kanzlerin Merkel in Südtirol Urlaub macht, genügt ein Dienstfahrzeug.
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Re: Kriegsbeginn feiern? 100 Jahre nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn am 23. Mai 1915
Der will einen Kriegsbeginn feiern??? Am besten da fahren die Onkels mit dem bunten Auto und der Jacke die man hinten zubindet und die einem beim Skatspielen immer gewinnen lassen mal vorbei und bringen den Herrn in ein modisches, rundes Gummiquartier.
Das zu feiern ist eine Beleidigung für alle die das Leid des Krieges erfahren haben und für die vielen gefallenen Soldaten, vor allem sinnlos gefallenen Soldaten und aller Kriegsopfer! Pfui Teufel, da gehen selbst mir die Worte aus...
Das zu feiern ist eine Beleidigung für alle die das Leid des Krieges erfahren haben und für die vielen gefallenen Soldaten, vor allem sinnlos gefallenen Soldaten und aller Kriegsopfer! Pfui Teufel, da gehen selbst mir die Worte aus...
Wendenkönig- Gründungsmitglied
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Re: Kriegsbeginn feiern? 100 Jahre nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn am 23. Mai 1915
Ja, das ist in der Tat unglaublich, kann mich nur allen Statements hier anschliessen. Für mich aber auch ein Anlass, mich etwas mehr mit der Italien Front im Ersten Weltkrieg auseinanderzusetzen, ein Feld, dass ich weniger gut kenne.
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Marek1964- Admin
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